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Für das Gericht ergab sich nun die Frage, ob man die Göldi zu einer lebenslänglichen Zuchthausstrafe oder zum Tode verurteilen sollte. Da Glarus aber kein Zuchthaus besass, hätte eine Zuchthausstrafe nur in Zürich vollzogen werden können. Nun sahen aber die Glarner Richter die Gefahr, dass die Göldi in Zürich alles widerrufen könnte und damit alles wieder von vorne beginnen würde. Daher wurde die Anna Göldi als Vergifterin zum Tode durch das Schwert verurteilt und am 18. Juni 1782 (Anmerkung der Redaktion: das Todesdatum war gemäss Protokolle des evang. Rats der 13. Juni.)  durch den Henker enthauptet. Ihr Leichnam wurde unter dem Galgen verscharrt. In dem Urteil wurden zwar die Worte "Zauberei" und "Hexerei" vermieden und stattdessen von der „ausserordentlichen und unbegreiflichen Kunstkraft“ der Göldi gesprochen. Gemeint war natürlich die Zauberei.

Im schweizerischen Umland und im europäischen Ausland sprach man bald von einem Justizverbrechen und erstmals von einem Justizmord. Dass der Glarner Hexenprozess der letzte in Europa blieb, ist hauptsächlich der ausgedehnten und kritischen Berichterstattung durch die auswärtige Presse zu verdanken.

Wie aber hat man dann später und in der Neuzeit das ganze Geschehen gedeutet? Medizinisch hat man die seltsamen Erscheinungen zu einer schweren Hysterie der Annemarie Tschudi erklärt. Diese habe sich selbst die Gufen beigebracht, um sich an der Göldi zu rächen. Auf welche Weise die Annemiggli überhaupt an die vielen Gufen gekommen sein könnte, wurde nicht weiter erörtert.

Wer sollte hier eigentlich geschädigt und vernichtet werden? Die Anna Göldi? Wenn ja, warum? Oder die Annemaria Tschudi? Wenn ja, warum? Oder der alte Schlosser Rudolf Steinmüller? Wenn ja, warum? Oder sollten alle drei geschädigt bzw. vernichtet werden? Aber weshalb?

  Das Buch von Walter Hauser liefert neue Erkenntnisse zu den gestellten Fragen.

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