Anna Göldi Museum Ennenda
Eine Frau, die Geschichte machte
Sophie Scholl und der Widerstand im Dritten Reich
Vortrag von Prof. Dr. Mario Andreotti, St. Gallen
Wer sich in Deutschland auf Widerstand gegen das Hitler-Regime einliess, befand sich in einer besonders schwierigen Lage. Inmitten des totalitären Polizeistaates konnte man nicht auf das Nationalgefühl seiner Mitbürger und nicht auf ausländische Hilfe hoffen. Trotzdem entstanden ab etwa 1934 verschiedenste Widerstandsgruppen: von kommunistisch beeinflussten Gruppen über nationalbewusste Diplomaten und Militärs bis zu christlichen Gruppen, etwa den Angehörigen der «Bekennenden Kirche».
Zu ihnen gehörte auch die studentische Widerstandsgruppe «Weisse Rose» um die Geschwister Hans und Sophie Scholl, die 1942/43 in München Flugblätter verteilte, die sich gegen Regierung und Krieg richteten. Im letzten Flugblatt der «Weissen Rose», von Hans und Sophie Scholl im Frühjahr 1943 in der Münchner Universität verbreitet, findet sich der Satz «Der deutsche Name bleibt für immer geschändet, wenn nicht die deutsche Jugend endlich aufsteht, rächt und sühnt zugleich, ihre Peiniger zerschmettert und ein neues geistige Europa aufrichtet.» Am 18.Februar 1943 wurde Sophie Scholl bei einer Flugblattaktion, zusammen mit ihrem Bruder Hans Scholl, verhaftet und am 22.Februar unter anderem wegen «landesverräterischer Feindbegünstigung» mit der Guillotine enthauptet.
Der Vortrag wird aufzeigen, warum der deutsche Widerstand, der grösser war, als gemeinhin angenommen wird, insgesamt erfolglos war und welche bedeutende Rolle Sophie Scholl, deren 100.Geburtstag wir am 9.Mai 2021 [oder morgen, übermorgen] begehen, darin gespielt hat.